Restaurierung von Anna Boleyn

 

Die Restaurierung von Ernst Lubitschs ANNA BOLEYN fand in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv des Deutschen Filminstituts - DIF, Frankfurt/ Main und dem Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin/ Koblenz statt. Nach Sichtung und Abgleich der Filmmaterialien aus dem Bundesarchiv, dem DIF sowie der Murnau-Stiftung erwies sich ein Originalkameranegativ des Bundesarchivs für eine Restaurierung als am besten geeignet. Anscheinend handelt es sich bei diesem Material um ein Negativ zweiter Wahl, ergänzt durch Takes aus einem weiteren Originalkameranegativ und Dups. Daraus resultiert eine unterschiedliche Bildqualität hinsichtlich Kontrast und Auflösung. Leider fehlt die sechste Rolle, die durch ein Acetat Dup-Negativ mit doppeltem Bildstrich ersetzt werden musste.
Das Originalnegativ ist seinem Alter entsprechend 0,8 bis 1,4% geschrumpft, gewölbt, spröde sowie chemisch behandelt. Durch mehrere Klebestellen ergeben sich ein unruhiger Bildstand und Bildstrichverschiebungen. Die Perforation ist überdies gerädert und geklebt. Trotz alledem ist das Material sehr schön gezeichnet, die Bildqualität insgesamt brilliant.
Das Originalnegativ liegt in einer Länge von 2683m vor (Zensurlänge: 2793m) und enthält deutsche und englische Blitztitel. Die Restaurierung der Titel orientierte sich an der Zensurkarte aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin/ Koblenz, die den Text aller 151 Zwischentitel des Films enthält.
Indem die handgeschriebenen Blitztitel auf eine lesbare Länge gestreckt wurden, bilden sie in ihrer originalen Gestaltung den größten Teil der Zwischentitel der restaurierten Fassung. Zwölf Titel mussten neu erstellt und sieben nachgezeichnet, ein Insert nach der englischen Vorlage neu gestaltet werden. Schließlich fehlte im Originalnegativ der Haupttitel, der von einem Dup-Negativ übernommen wurde. Diese Arbeiten führte die Firma Optronik in Potsdam aus.
Anhand der Zensurkarte konnte festgestellt werden, dass die Szenenfolge im Originalnegativ fehlerhaft war. Sie wurde entsprechend der Zensurkarte korrigiert, wobei eine Szene aus dem Material eines Privatsammlers ergänzt wurde.
Die Färbungen folgen einer viragierten Nitrokopie der Fondazione Cineteca Italiana, Mailand.
Die Kopierarbeiten wurden bei L’Immagine Ritrovata in Bologna ausgeführt.

Gudrun Weiss / Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

 

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