Restaurierung von Schloss Vogeloed
Die Restaurierung von SCHLOSS VOGELOED erfolgte auf der Grundlage des
Originalnegativs aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin/ Koblenz und
einer viragierten Nitrokopie mit portugiesischen Zwischentiteln aus
der Auswertung in Brasilien in den 1920er Jahren. Die brasilianische
Kopie, die den Haupttitel SENTENCA DE DEUS trägt, wurde in der
Fundação Cinemateca Brasilieira aufbewahrt und vor einigen
Jahren dem Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin/ Koblenz überlassen.
Die Takes beider Materialien sind identisch.
Die brasilianische Kopie wurde in Deutschland im Jahr 1921 hergestellt,
was darauf schließen lässt, dass die Färbungen original
sind. Die Zwischentitel wurden in Brasilien von der Verleihfirma Rombauer
& Cie auf Kodakmaterial von 1921 hergestellt. Diese Zwischentitel
sind die exakte Übersetzung der deutschen Zwischentitelliste, die
die Produktionsfirma Decla-Bioscop 1921 nach Brasilien schickte.
Eine Kopie dieser Liste, datiert auf den 31. März 1921 und an Murnau
adressiert, ist mit einem Drehbuch im Nachlass des Regisseurs erhalten.
Murnau notierte zahlreiche Änderungen für die Zwischentitel,
die jedoch in der brasilianischen Kopie keine Berücksichtigung
fanden. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Produktionsgesellschaft
die Liste vom 31. März als endgültig angesehen und für
die Montage des Originalnegativs verwendet hat. Im Negativ wurde die
Position der Zwischentitel mittels in Tinte beschrifteter Blankfelder
gekennzeichnet, die auch als Referenz für fremdsprachige Titel
für Exportkopien dienten.
Die Premiere des Films in Berlin am 7. April 1921, einige Tage nachdem
er die Zensur am 4. April passiert hatte (also 4 Tage nach Herausgabe
der Zwischentitelliste), lässt den Schluss zu, dass der Film mit
den Titeln, wie sie in der Liste festgehalten sind, gezeigt wurde, denn
für eine Abänderung nach Murnaus Wünschen war nicht genug
Zeit.
Allerdings befinden sich im Originalnegativ einige originale Blitztitel
mit dem Rahmen der Decla-Bioscop, bei denen die Anmerkungen Murnaus
Berücksichtigung fanden und außerdem solche, bei denen der
Text zweier Titel zu einem zusammengefasst wurde. In diesen Fällen
wurden die Positionen für die Titel durch rote Tuscheeinzeichnungen
markiert, damit sie bei den Kopierarbeiten leicht auffielen. Wir können
daraus folgern, dass von dem Film nur ein einziges Originalnegativ existiert
hat, das sowohl für die Herstellung der deutschen Fassung mit korrigierten
Zwischentiteln als auch für Exportkopien verwendet wurde, die der
Liste ohne Murnaus Korrekturen folgten.
Das Originalnegativ hat in den 1920er und 1930er Jahren diverse Bearbeitungen
erfahren. Weitere Veränderungen entstanden in der Nachkriegszeit
im Gosfilmofond Moskau, wo die Original-Zwischentitel entfernt wurden,
um sie durch eigene Titel in Leselänge zu ersetzen. Die originalen
Titel wurden in einer Büchse aufbewahrt, jedoch gingen etwa 30
Zwischentitel verloren. Sie wurden für die restaurierte Version
reproduziert und durch das Logo der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
(FWMS) kenntlich gemacht. Die richtige Platzierung dieser Titel wurde
anhand der Zwischentitel der brasilianischen Kopie nachvollzogen.
Außerdem fand sich in der brasilianischen Kopie eine im Originalnegativ
fehlende Einstellung.
Die restaurierte Fassung von SCHLOSS VOGELOED ermöglicht es, den
Film wieder vollständig, mit allen Zwischentiteln und in den Originalfarben
zu präsentieren.
Luciano Berriatúa und Camille Blot
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