Restaurierung von Tartüff

 

Wie im Fall DER LETZTE MANN, wurde Murnau von der Ufa mit der Herstellung von mindestens drei Negativen für seinen nächsten Film TARTÜFF beauftragt. Eines dieser Negative war für die Herstellung von Kopien für Deutschland und die Länder bestimmt, in denen die Ufa den Verleih direkt vornahm. Ein zweites Negativ war vorgesehen für den Export in das restliche Europa sowie wahrscheinlich in weitere Länder, damit die lokalen Verleihfirmen ausreichend Kopien für ihren Markt ziehen konnten.
Ein drittes Negativ wurde in die USA geliefert und ist ausschließlich für den amerikanischen Markt vorgesehen. Für dieses Negativ wurden die Inserts eigens in englischer Sprache gedreht, wie die Liste der Personen des Films oder Briefe.
Wir konnten die amerikanische Fassung nutzen, dank einer Nitrokopie der Library of Congress, Washington, die heute im Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin/ Koblenz aufbewahrt wird.
Vor seiner Auslieferung nach Berlin muss das Material in den Vereinigten Staaten vervielfältigt worden sein, was durch diverse kursierende Kopien bestätigt wird; eine davon auf amerikanischem Kodak-Material von 1984, die sich derzeit bei der Cinémathèque Royale in Belgien befindet. Diese Safety-Kopien beinhalten zu Beginn des Films eine Einstellung mit der Zulassungsnummer der New Yorker Zensur aus den 20er Jahren („Licensed by State of New York no. L30567“).
Die Nitrokopie wurde in den USA vom Originalkameranegativ auf amerikanischem Kodak-Rohfilmmaterial von 1928 gezogen. Fast alle Zwischentitel sind auf Kodak-Negativmaterial von 1926 gedreht, bis auf die Anfangstitel sowie jene, die die Aktanfänge und -enden kennzeichnen; diese stammen von einem Negativ aus dem Jahre 1928.
Die englischsprachigen Inserts wurden auf Agfa-Material gedreht ebenso wie das übrige Negativ; nur wenige Einstellungen befinden sich auf Kodakmaterial von 1924.
Aufgrund dieser Elemente sowie der Tatsache, dass die Klebestellen der Einstellungen mit denen der Zwischentitel übereinstimmen, folgern wir, dass die amerikanische Fassung in den USA montiert wurde, wo auch die Zwischentitel hergestellt wurden.
Der Film wurde am 23. Juli 1927 in New York erstaufgeführt, folglich ist diese Kopie von 1928 ein wenig verspätet, dennoch stammt sie wahrscheinlich aus der Erstauswertung in den USA. Eine genaue Untersuchung der Kopie zeigt, dass es sich um einen Zusammenschnitt von Teilen aus verschiedenen Kopien handelt, was vermuten lässt, dass diese Kopie aus einer späteren Überarbeitung durch die amerikanische Verleihgesellschaft stammt. Aber dies betrifft den Film nicht in seinem Wesen, da er korrekt montiert und vollständig genug ist.
Der Film ist durchgehend orange viragiert ebenso wie zwei fragmentarisch erhaltene Nitrokopien mit spanischen bzw. deutsch/ französischen Zwischentiteln aus der Cinémathèque Suisse, Lausanne. Dies lässt die Vermutung zu, dass alle Kopien in ein und derselben Farbe gefärbt waren.
In der Länge ist die amerikanische Fassung der Exportfassung, die bei Gosfilmofond Moskau erhalten ist, unterlegen, was aber in der abweichenden Länge der Zwischentitel begründet liegt und im unterschiedlichen Aufnahmerhythmus der Takes, auch unter Berücksichtigung von Bildverlust in einzelnen Einstellungen durch Beschädigung.
In diesem Fall war die Restaurierungsarbeit sehr einfach: eine Reproduktion in originaler Tönung.

Luciano Berriatúa und Camille Blot

 

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